Hildegard-Plakat
Das Begleitprogramm zur Ausstellung „Hildegard von Bingen“ des Diözesan-Bildungswerks Limburg, die vom 24. April bis zum 16. Mai in der Villmarer Pfarrkirche St. Peter und Paul zu besichtigen ist, bietet einen besonderen musikalischen Leckerbissen: Für Sonntag, dem 8. Mai um 17 Uhr laden die Kirchengemeinde und TOCCATA Orgelkultur Limburg-Weilburg e. V. zu einem Konzert ein, das sich unter dem Motto „Worte, Weisen und Visionen“ besonders der Musik Hildegards widmet. Ausführende sind die aus Villmar stammende Sopranistin Angela Baier-Banthien, die Choralscholen Villmar und St. Marien Limburg sowie der Limburger Domorganist Carsten Igelbrink an der Klais-Orgel.

Villmar ist mit der hl. Hildegard auf zweierlei Weise verbunden, und zwar über die Trierer Benediktinerabtei St. Matthias, die von 1053 bis 1802 Pfarr- und Grundherr von Villmar war: Zum einen fällt in den Aufenthalt von Papst Eugen III. in der Abtei im Winter 1147/48 anlässlich der Trierer Synode sowohl die Erlaubnis für Hildegard, ihre Visionen zu publizieren, als auch die Bestätigung der Schenkung des Königshofs Villmar durch Kaiser Heinrich III. an das Kloster. Hinzu kommt der ausführliche Briefwechsel Hildegards mit dem Konvent. Zum anderen befand sich eine der wichtigsten Abschriften von Hildegards Natur- und Heilkundewerk „Physica“ Anfang des 14. Jh. in der Bibliothek der Außenstelle Villmar, wie ein Besitzvermerk im vorderen Innendeckel verrät. Die Handschrift befindet sich heute in der Bibliotheca Medicea Laurenziana zu Florenz.

Auf dem Programm stehen Lieder Hildegards, deren Texte und Melodien sie selber schrieb. Der visionäre Charakter ihrer Werke zeigt sich auch in dieser Musik, deren ausgreifender Tonumfang die übliche Musizierpraxis des 12. Jahrhunderts überschreitet und sängerisch recht hohe Anforderungen stellt. Aus ihrem Gesamtwerk „Symphonia armonie celestium revelationum“ (= „Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen“), einer Sammlung von 77 geistlichen Liedern, die im „Wiesbadener Riesenkodex“ überliefert ist, erklingen fünf Gesänge, die teils solistisch, teils vom Schola-Ensemble oder auch in Alternatim-Praxis im Wechsel mit der Orgel ausgeführt werden. Darunter die Sequenz „O Euchari“ und der Hymnus „Mathias sanctus“, worin Hildegard ihre enge Verbindung zu der Trierer Abtei ausdrückt.

Eine Brücke in die Gegenwart schlägt die Uraufführung von drei geistlichen Liedern des Villmarer Kirchenmusikers und Komponisten Bernhard Hemmerle: Ein Hildegard-Hymnus für Sopran-Solo und Schola sowie zwei Gesänge (Ave Maria und Ave verum) für Solo-Stimme und Orgel. Ein weiteres Element des Konzerts bildet, inspiriert von Hildegards visionärer Klangwelt, das improvisierte Orgelspiel – gemäß einem Zitat des französischen Organisten Charles-Marie Widor: „Orgelspielen heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren.“ Ergänzt werden die musikalischen Darbietungen durch Texte aus den Schriften Hildegards.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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