Der Hadamarer Orgelspaziergang nimmt am „Tag für die Literatur“ im Literaturland Hessen zum Jahr des Reformationsjubiläums protestantische und katholische Lieddichtung in den Blick.

14:00 Uhr – Ägidienkirche (Mönchberg): „Aus der Dunklen Zeit“
Orgel und Regal: Martin Buschmann und Michael Loos
Die erste Station in der Ägidienkirche auf dem Mönchberg (Thema: „Aus der dunklen Zeit“) erinnert an die Verbrechen Nazi-Deutschlands in der Tötungsanstalt Hadamar. Dichter wie Jochen Klepper, Franz Johannes Weinrich und Dietrich Bonhoeffer drückten ihre Ablehnung des mörderischen Regimes „zwischen den Zeilen“ ihrer geistlichen Lieder aus.

14:45 Uhr – Liebfrauenkirche: „Kontrafaktur“
Choralscholen St. Marien Limburg und St. Peter und Paul Villmar
Orgel: Martin Samrock
In der gotischen Liebfrauenkirche, der ältesten Kirche in Hadamar, verweist das Thema: „Kontrafaktur“ die Bedeutung der Gregorianik für die Anfänge des deutschen Kirchenliedes. Die Schola singt die lateinischen Vorlagen, gefolgt von deren Bearbeitung als Orgelmusik in Form von Choralvorspielen und -begleitungen aus der Reformationszeit sowie davon inspirierten jüngeren Werken.

15:30 Uhr – Schlosshof und Gewölbekeller: Kaffeepause

16:15 Uhr – Ev. Schlosskirche: „Reformation“
Orgel und Truhenorgel: Martin Buschmann
In der Evangelischen Schlosskirche (Thema: „Reformation“) begegnen wir den historischen Ereignissen von Reformation und Gegenreformation in Nassau Hadamar. Literarisch hat dies Wilhelm Heinrich in der 1856 erschienenen Novelle „Gräfin Ursula“ (Gattin von Fürst Johann Ludwig von Nassau-Hadamar) aufgegriffen, in welcher er die musikalische Seite der Gräfin erwähnt. Das Konzert stellt die kirchenmusikalischen Neuschöpfungen der Reformation in ausgewählten Orgelwerken vor.

17:00 Uhr – Kath. Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk: „Gegenreformation“
Orgel: Michael Loos
Abschließend geht es in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk, der ehem. Jesuitenkirche (Thema: „Gegenreformation“) um den Einfluss der Jesuiten – u. a. in ihrer Niederlassung in Hadamar. Neben jesuitischen Neudichtungen (z. B. von Friedrich Spee) fanden die populären Kirchenlieder der Reformation Eingang in katholische Gesangbücher. Ein prominentes Beispiel ist das von Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels-Rotenburg 1666 herausgegebene „Rheinfelsische Gesangbuch“. Das Jesuitentheater war von örtlichen Autoren aus dem Orden geprägt. Es erklingt Orgelmusik von der Zeit der Reformation bis ins 20. Jh. im Wechsel mit Texten, die das Spannungsfeld von Reformation und Gegenreformation aufgreifen.

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